szombat, május 06, 2006

Die Schweizer Garde - ACRITER ET FIDELITER

Es ist schon über 6 Jahren als ich längere Zeit in Rom verbracht habe und Bekanntschaft mit einer wirklich eigenartigen Gruppe gemacht habe. Wenn ich an diese Gruppe von jungen Männern denke, Nachrichten von ihnen höre, Bilder in den Medien sehe, - so wie heute auch, wird es mir immer noch sehr warm im Herzen, schlägt vielleicht sogar mein Puls höher.... Ja, es war sehr schön mit den Schweizer Gardisten in Rom. Vielleicht sogar die schönste Zeit in meinem Leben....
Ich konnte in Rom sicherlich auf einen der schönsten Arbeitsplätze der Welt sein, und dort mit jenen zusammenzusein, die auf jeden Fall den ehrwürdigsten Job haben.
Direkt am ersten Tag meines Romaufenthaltes wurde ich von einem der meistfotografierten Motiven der Welt angesprochen... Simon war der erste Schweizergardist aus dem Vatikan den ich kennelernen durfte und es folgten ihn dann fast 100!
Für die meisten Touristen in Rom gehören diese Männer mit den bunten Landsknechtsuniformen und der Hellebarde genauso selbstverständlich auf den Urlaubsfilm wie das Colosseum. Ach, wenn ich aber an Willi denke,- er hatte sich nie fotografieren lassen, nichteinmal mit Kindern! :-) Ach Christian, war es immer lustig mit Dir! Wo Du wohl gerde bist? In Embd bei Visp, wo die Alpen die steilsten sind??
Wenn ich von der päpstlichen Garde erzähle, wollen mir die Menschen selten glauben, dass hinter dem pittoresken Stück Tradition mit Helm, Brustpanzer und Federbusch ein professioneller Sicherheitsdienst steckt, der effizient, mit modernen (!) Methoden und – angesichts des besonderen Einsatzbereichs – sensibel arbeitet. Pittoresk und professionell seit 500 Jahren schützt die Schweizergarde den Papst! Die 110 Gardisten bewachen rund um die Uhr den Apostolischen Palast, leisten Ordnungs- und Ehrendienste im Petersdom und auf dem Petersplatz und bewachen die Renaissance-Flure des Vatikan. (es fllt mir gerade eine nicht publizierbare Geschichte ein, wieder von Williner)
Ich habe damals wirklich gewusst, wie die Grenzkontrollen an den Eingängen zum kleinsten Staat der Welt bewacht sind. Es war alles hochinteressant! Heute im Fernsehen habe ich ERwin wiedersehen. Er war damals noch sehr jung und Anfänger....
Die Schweizergarde ist nicht nur eine der kleinsten und vermutlich die älteste bestehende Truppe der Welt, sie sind sicherlich auch liebevollste.
Dass es beim ehrenvollen Dienst für das Kirchenoberhaupt auch um Leben und Tod gehen kann, haben die Schweizer mehr als einmal erlebt. Zuerst beim Sacco di Roma im Jahre 1527. Damals fielen 147 Schweizer mit ihrem Züricher Hauptmann Kaspar Röist in einem ungleichen Kampf gegen die Truppen Kaiser Karl V., die übrigen 42 Schweizer kämpften dem Papst den ummauerten Fluchtweg in die Engelsburg frei.
Unter der Offiziere, die ich kennenlernen konnte waren einige, die auch beim Attentat vor 20 Jahren die Schrecksekunde nach den ersten Kugeln des Türken Ali Agca war.
Nicht umsonst ist die Garde bestrebt, den Dienst effizient und den Erfordernissen der Gegenwart entsprechend zu gestalten – bei aller Verpflichtung zur Tradition. Für eine bessere „Produktion von Sicherheit“ setzt man neben verbesserter Bewaffnung und modernisiertem Gerät auch auf eine systematische Schulung.
Ich erinnere mich daran wie ein Helebardier als Aufgabe hatte, die Pfeffersprays mit Nummern (Dienstnummern) zu bekleben. Der Arme hatte danach richtige Augenprobeleme!
Es war schön zu hören, wenn die Jungs von zu Hause, von ihren geliebten Schweiz erzählt haben. Für mich als Frau war es natürlich auch interessant, wenn sie über ihren Geliebten Frauen geredet oder sogar geschwärmt haben.
Sie habe aus den verschiedensten Gründen diesen interessanten Dienst in Rom gewählt.
Es ist meist ein Stück Abenteuerlust, Neugier an fremden Ländern und Menschen, Freude am Militär und natürlich Glaubenstreue, die bis heute junge Schweizer zum Dienst in der Päpstlichen Schutztruppe motiviert. Voraussetzung sind neben der Schweizer Staatsbürgerschaft ein einwandfreier Leumund sowie der erfolgreiche Abschluss einer Berufsausbildung oder der Mittelschule. Die Bewerber müssen zudem die Schweizer Rekrutenschule absolviert haben, ledig, zwischen 19 und 30 Jahren alt und mindestens 1,74 Meter groß sein. Auf Teamfähigkeit und Pflichtbewusstsein wird ebenso Wert gelegt wie auf physische und psychische Belastbarkeit. Die Anforderungen sind streng – nur jeder fünfte Interessent darf schließlich die farbenprächtige Uniform anziehen.
Wer im Gardequartier direkt neben dem vatikanischen Sankt-Anna-Tor einrückt, muss erst einmal für drei Wochen die Rekrutenschule absolvieren: Korrektes Grüßen, Marschieren und Exerzieren mit der Hellebarde – einer Stoßwaffe mit eiserner Spitze – stehen auf dem Lehrplan. Aber auch Selbstverteidigung sowie der Umgang mit Pistole und Pfefferspray. Sport ist selbstverständlich, der Italienisch-Kurs Pflicht.
Von den Jungs habe ich gern über das Leben im Vatikan gehört. Sie haben mir sehr viel Details (hochgeheim!) über ihr Umfeld erzählt: die verwinkelten Höfe und Straßen des Vatikan, und die Geschichten über Personen, die hier täglich ein- und ausgehenden: Kardinäle, Bischöfe, Prälaten, Patres, Ordensfrauen, Laien-Bedienstete und deren oft große Familien.
Ich habe nach einer Zeit auch den Dienststruktur verstanden: Die jungen Soldaten sorgen für „höfliche Sicherheit“. Allzu neugierige Touristen (mirähnliche) werden freundlich, aber sicher auf Distanz gehalten. Je älter man wird, desto verantwortungsvolle Aufgabe übernimmt man... Die Helebardier sind in drei Geschwader eingeteilt, die wegen den Dienstschichten wichtig sind.
Unvergesslich bleibt mir das Erleben des Feiertages der Garde, den 6. Mai, den Gedenktag des „Sacco di Roma“ von 1527. An diesem Tag nimmt die Garde in einem festlichen und zackigen Zeremoniell vor mehreren tausend Ehrengästen im Damasushof, dem schönsten der vatikanischen Höfe, ihre neuen Rekruten auf. Einzeln treten sie vor. Die linke Hand fest um die Gardefahne und die rechte zum Schwur erhoben, geloben sie sooooo laut, dass man das auf dem Petersplatz auch hörbar ist, sich gewissenhaft, treu, ehrenhaft und redlich für den regierenden Papst und seine rechtmäßigen Nachfolger einzusetzen – und „wenn es erheischt sein sollte, selbst mein Leben für sie hinzugeben“, wie die Eidesformel es vorschreibt.
Wir wollen froh sein, dass sie es noch gibt. Denn als Papst Paul VI. im Zug des Zweiten Vatikanischen Konzils mit höfischem Gepränge Schluss machte und bestehende Einrichtungen auf ihre Effizienz hinterfragte, wurden alle übrigen militärischen Korps und Garden, wie die aus römischen Adeligen bestehenden Nobel- und Palatin-Garden und die Gendarmerie aufgelöst. Die Schweizergarde blieb jedoch und wurde – zusammen mit der neu geschaffenen Vigilanza, der aus Italienern bestehenden Polizeieinheit – die Schutztruppe im Reich des Papstes. Selbst als das Korps 1998 nach dem Mord am frisch ernannten Kommandanten Alois Estermann ins Zwielicht geriet, nahm der Papst seine Schweizer in Schutz: „Die schwarze Wolke eines Tages vermag mehr als 500 Jahre der Hochherzigkeit nicht zu verdunkeln“, lautete der erlösende Satz, mit der er der Garde sein Vertrauen aussprach.
Die meisten Gardisten verpflichten sich für zwei Jahre. Der Dienst ist anstrengend, kann bis zu 70 Wochenstunden betragen. In der Regel folgt auf zwei Diensttage ein freier Tag, es war aber im Jahr 2000 nicht so häufig, dass sie Pause machen durften. Der Heilige Jahr forderte besonders viele besondere Veranstaltungen und damit besonders viele Dienste. Neben der normalen „Schicht“ im Ordnungs- und Kontrolldienst müssen die Gardisten auch in ihrer „Freizeit“ immer wieder anrücken – wenn etwa ein Staatsgast in den Vatikan kommt oder wenn der Papst eine zusätzliche Audienz hält. Es war schön, als Viktor Orban gerade von Herbert Mächler in Vatikan begleiten worden ist!
Der so genannte Nahschutzdienst, also der unmittelbare Personenschutz, ist den höheren Unteroffizieren und Offizieren vorbehalten. Damals war Elmar Mäder Vizekommandant, heute ist er der Ranghöchste in der Garde. Ihn sieht man eigentlich immer neben unseren jetztigen Papst Benedikt.
In Zivil achten sie neben, vor oder hinter dem Papst oder seinem Papamobil genau darauf, ob aus der Masse der Jubelnden nicht eine Waffe herausragt.
Wem Rom und die Arbeit gut gefallen, der kann seinen Dienst für den Papst auch verlängern. Die Garde bietet Aufstiegschancen zum Vizekorporal (Martin, Martin...), zum Korporal, einige können es auch zum Wachtmeister, zum Feldwebel oder gar bis in den Offiziersrang schaffen. Gardisten, die wieder in die Schweiz zurückkehren, erhalten Hilfen für den Wiedereinstieg in das Leben zu Hause. So können sie nach drei Jahren das Diplom des eidgenössischen Sicherheitsexperten erwerben. Es ist aber damals auch vorgekommen, dass eine hübsche Römerin (sei sie Italienerin oder Philippinin, Slowakin oder Brasilianerin) der Grund dafür war, dass ein Gardist weitab der eidgenössischen Heimat in Rom familiäre Wurzeln schlagen wollte.
Ja, diese Männer kann man einfach nur lieb haben....
( Acriter et fideliter = Tapfer und treu)